Der Schock

Wie ein Roboter, völlig ferngesteuert, verließ ich das Arztzimmer.

 

In meinem Kopf nur Leere und die drei Worte "Ich habe Krebs."

Immer wieder "Ich habe Krebs. Ich habe Krebs. Ich habe Krebs."

An der Rezeption wartete ich auf eine Überweisung ins Mamma-Zentrum.

"Ich habe Krebs. Ich habe Krebs. Ich habe Krebs.", in meinem Kopf.

Ich zitterte am ganzen Körper, konnte und wollte nicht glauben, dass das hier die Realität ist. Immer wieder wünschte ich mir aufzuwachen aus diesem Albtraum.

"Nein. Nein. Nein. Bitte mach, dass das nicht wahr ist!

Ich will noch nicht sterben. Ich möchte doch mit Jana nach Kalifornien in 6 Wochen. Ist doch schon alles gebucht. Ich habe Krebs."

 Die Arzthelferin sah mich mitfühlend und gleichzeitig Trost spendend an, kam hinter dem Tresen vor und fragte mich, ob ich ein Schluck Wasser wolle. Sie legte ihren Arm um meine Hüften und begleitete mich in einen Nebenraum. Sie reichte mir ein Glas Wasser und umarmte mich fest.

Ich sprach die drei Worte aus "Ich habe Krebs."

Mir war nach Weinen, aber ich konnte nicht. Ich zitterte nur.

Die Arzthelferin nickte und drückte mich fester an sich.

Mit meinem klapprigen Körper verließ ich die Praxis und ging zu meinem Beulen-Polo.

"Auto fahren? Ich? Jetzt? In dieser Verfassung? Ich habe Krebs.", ging es mir durch den Kopf.

"Ok, aber vorsichtig, nicht, dass dir noch was passiert."

 

Ich kam heile zu Hause an und rief meinen Bruder und seine Freundin an.

Das waren die einzigen beiden, bei denen ich wusste, dass sie sofort verfügbar sind und schnell bei mir sein können, auch wenn sie noch den Rausch der letzten Nacht in den Knochen hatten. Aber das war mir egal, ich brauchte jetzt jemanden hier. Ich konnte nicht alleine sein.

Immer wieder und wieder diese drei Worte. Meine Gedanken quälten mich, in meinem Kopf rauschte es und sie kamen immer wieder, diese drei Worte.

 

  Als Tobias und Tanja eintrafen, schaute ich in entsetzte Gesichter.

Mein Bruder fragte: "Bist du sicher, dass du das richtig verstanden hast? Die haben da doch was verwechselt. Zeig mal den pathologischen Bericht."

 

Tobias wehrte die Diagnose ab. Er konnte es nicht wahr haben. In seinem Kopf kreisten sicherlich die ganze Zeit die Worte: "Das kann nicht sein. Das kann nicht sein. Das kann nicht sein." und bei mir: "Ich habe Krebs. Ich habe Krebs. Ich habe Krebs."

Später trudelten dann meine Freundinnen ein, Jessica und Jana.

Wir umarmten uns stundenlang und weinten und weinten und weinten.

Gleichzeitig sagten wir uns immer wieder "Wir schaffen das zusammen. Wir schaffen das. Egal, was kommt."

Irgendwann am Abend, kam die Frage auf:

"Wie sage ich es meinen Eltern?"