Meine Eltern

Es war Freitagabend. Meine Untersuchungen im Mamma-Zentrum gingen erst am Montag weiter.

 

"Ich habe Krebs, aber in welchem Stadium befinde ich mich überhaupt?

Bin ich noch im Anfangsstadium? Was haben die Lymphknoten mit der Brust zu tun?"

Erst in zwei Tagen würde ich also wissen, was genau der Stand der Dinge war. Zwei unendlich lange Tage.

Sollte ich meine Eltern nun trotzdem heute anrufen, um Ihnen die Schreckensbotschaft zu übermitteln?

Meine Eltern wohnen 400 km entfernt, daher konnte ich Ihnen das Unheil nur per Telefon nahe bringen.

Jana, Jessica und ich überlegten hin und her und kamen zu dem Entschluss, dass es das beste wäre, es Ihnen jetzt mitzuteilen, damit ich es hinter mich bringe und wenigstens diese eine Sorge weniger hätte.

Aber wie? Wie überbringt man seinen eigenen Eltern die Nachricht, dass die eigene Tochter, also ich, Krebs hat?

Ich wählte die Nummer. Es tutete. Einmal, zweimal... dann meldete sich meine Mutter: "Blume?"

Ich sagte: "Hey Mama. Ist Papa auch da?" Mama sagte, dass Papa Spätschicht hätte und erst in zwei Stunden zurück wäre. Daraufhin ich: "Achso, ich wollte nur was Technisches fragen, ich rufe dann morgen nochmal an."

Unter keinen Umständen wollte ich, dass meine Mutter alleine zu Hause ist, wenn sie meine Nachricht erhält.

Zwei Stunden später, es war nun 22:00 Uhr, wählte ich die gleiche Nummer wieder. Es tutete. Einmal, zweimal, dreimal.

Meine Mutter: "Blume?"

Ich: "Ich, ich, ich bin es nochmal. Ist Papa jetzt da?"

"Ja", antwortete meine Mutter.

Ich bat Sie, den Telefonhörer laut zu stellen, damit mich beide hören konnten und sagte ihr, sie sollte sich setzen. Mein ganzer Körper bebte vor Aufregung.

"Was ist denn los?", fragte meine Mutter.

"Ich habe die Ergebnisse vom Pathologen.", stotterte ich.

Es entstand eine kurze Pause. Dann sagte ich:

"Ich habe Krebs. Brustkrebs."

Mein Kopf spulte wieder diese drei Worte ab. Es hörte nicht auf. Immer wieder: "Ich habe Kreb. Ich habe Krebs. Ich habe Krebs."

Ich wollte weinen, aber es ging nicht. Da war wieder dieser Kloß im Hals.

Jessica saß direkt neben mir und hielt die ganze Zeit meine Hand. Jana saß mir gegenüber und biss sich auf die Lippen, Tränen stiegen in ihren Augen auf.

Meine Mutter schrie hysterisch und gleichzeitig weinend ins Telefon: "Nein. Nein. Nein. Das gibt es doch gar nicht. Das ist doch nicht wahr."

Mein Vater war so betroffen, dass er gar nichts sagen konnte.

"Doch es ist die Wahrheit. Ich habe Krebs.", schrie ich völlig verzweifelt.