Untersuchungen - Die Brust muss ab

Endlich Montag!

 

Meinen Termin bei Dr. Zeiger im Mamma-Zentrum in der Petrus-Klinik hatte ich um 10:00 Uhr.

Nach einer schlaflosen Nacht machten Jessica und ich uns auf den Weg. Jana haben wir unterwegs aufgegabelt, sie hatte sich am Abend vorher gemeldet und wollte uns begleiten, was mich sehr freute.

 

Im Mamma-Zentrum wurden wir sehr fröhlich und strahlend-lächelnd von Dr. Zeigers Empfangsdame Frau Alster begrüßt.

In dem Moment fragte ich mich, wie Frau Alster so fröhlich sein kann, obwohl ich doch Krebs habe. Die Welt ist so schwarz, wie konnte sie da noch lachen?

 

Nach einer kurzen Wartezeit rief Dr. Zeiger uns rein.

Er hatte bereits alle Unterlagen aus der onkologischen Praxis vorliegen und war informiert.

Dr. Zeiger begrüßte uns sehr freundlich und lächelnd mit einem festen Händedruck, der irgendwie väterliche Sicherheit vermittelte.

Wir drei nahmen angespannt vor seinem Schreibtisch Platz.

Ich zitterte noch immer am ganzen Körper. Ich glaube ich habe seit Freitag nicht aufgehört zu zittern und zu frieren. In meinem Kopf wiederholten sich wieder und wieder die drei Worte "Ich habe Krebs".

 

Dr. Zeiger fing an zu reden und fragte mich zu allererst, wie es mir ginge. 

Ich antwortete: "Ich habe Angst."

Er nickte und schaute mich dabei verständnisvoll und mitfühlend an. 

Er sagte: "Die Angst wird Sie jetzt eine lange Zeit begleiten."

 

Als nächstes folgte die erste Untersuchung. Dr. Zeiger nahm mich mit in den Nebenraum und machte ein Ultraschall von der Achselhöhle und der Brust.

Dabei erklärte er mir alles was er sehen konnte. 

Wir haben ein paar auffälligen Lymphknoten und auch einige unauffällige in der linken Achselhöhle gefunden.

Ein normaler Lymphknoten sieht im Ultraschall aus wie eine Zielscheibe. Man sieht einen weißen Punkt in der Mitte, darum einen schwarzen Kreis und darum einen weißen Kreis.

Bei einem auffälligen Lymphknoten fehlt der weiße Punkt in der Mitte., der ist in der Mitte komplett schwarz.

Nun untersuchten wir die Brust. Dr. Zeiger suchte und suchte mit dem Ultraschall-Kopf. Er sagte lange Zeit nichts.

Plötzlich sagte er, dass er etwas sehen konnte. 

Er sagte, das ganze Brustgewebe sei mit einer Kette von auffälligen Knoten befallen. Es würde nicht gut aussehen.

Er sagte: "Es scheint, als müssten wir die ganze Brust abnehmen, auch die Brustwarze."

Mir stockte der Atem und ich dachte wieder: "Ich falle, ich falle, ich falle." Nur diesmal wusste ich nicht, wie tief ich überhaupt noch fallen konnte, bis ich unten ankam. Ich rutschte hier von einem Albtraum in den nächsten, ich hatte den ersten Schock doch noch nicht verdaut, dann kam auch schon der nächste.

"Ich kann nicht mehr. Bitte sagen Sie, dass das nicht wahr ist. Wie kann ein Mensch das ertragen?", weinte ich.

 

Ich weiß nicht, mit welcher letzten Kraft ich es schaffte, mich wieder auf die Beine zu bringen und zurück in das Sprechzimmer zu Jessica und Jana zu gehen. 

Tränenüberströmt setzte ich mich wieder auf meinen Stuhl.

 

Jessica hatte ich vorher mit einem Stift und einem Block ausgestattet, sie schrieb alles mit, was Dr. Zeiger uns noch erzählte.

Er sagte uns zu welchen Untersuchungen ich nun als nächstes müsste und erklärte uns den groben Plan des weiteren Ablaufs der Chemo-Therapie.

Jana fragte noch nach der möglichen Fruchtbarkeits-Schädigung durch die Chemo.

Ich selbst konnte diesem ganzen Gespräch nicht richtig folgen, es war einfach zu viel.

Ich war so froh, dass die beiden da waren und alles in die Hand nahmen.

 

Als alles besprochen war begleitete Dr. Zeiger uns raus.

Er sah mich an, er schaute tief in meine Augen und fragte:

"Wollen Sie das schaffen?"

Ich antwortete unter Tränen, aber klar: "Ja!"

Er nickte, umarmte mich und sagte mutvermittlend: "Dann auf in den Kampf."